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Siedlergeschichte
( von Gerhard Kaiser
1999)
70
Jahre sind vergangen seit unsere Alten,
teils mit hoffen,
teils mit bangen,
kamen zu siedeln -
das ist bekannt,
in diesem schönen
Pommernland.
Von
einem da weis ich, dem war eigentlich klar:
Zum siedeln geht's nur "Auf nach Kanada"!
Die Frau,die Hermine,
die tat da nicht mit.
So weit von der
Heimat, da find ich kein Glück.
Die
Sach ward besprochen, es siegt der Verstand,
bald reiste ein Vortrupp ins Pommernland.
Die
Zugfahrt war lang, man mußte verschnaufen.
Man beschloß als
Abwechslung durch Berlin zu laufen.
Das Hotel war gut,
der (Wackel-)Pudding nicht teuer,
dem Wilhelm Zibold
war der jedoch ungeheuer.
"Du
brauchst nit zittre Pudding, I fress' Di net!"
Dieses teilte er auch
dem Ober mit.
Der war erstaunt und
bat diskret den Konrad um Rat:
"Sagen Sie bitte, was
hat der Herr dort zu dem Pudding gesagt?"
Der
mußte lachen und dolmetschte dann,
was keiner verstand
in dem Preußenland.
Die
Zugfahrt ging weiter bis irgendwo,
ich glaube, es war
bis Toitz-Rustow.
Der Weg durch den
Kronwald hat gleich Eindruck gemacht,
denn später dann
ging man auch tüchtig zur Jagd.
Die
Landbesichtigung in Rustow fiel zufrieden wohl aus,
drum fuhr man auch
schnell dann wieder nach Haus.
Des
Vortrupps Bericht in der Heimat war gut,
so faßten wohl alle
dort tüchtigen Mut.
Die Reise begann, der
Abschied war groß,
per Bahn kam man an,
so ging alles los !
Die
Zeit die verging, man blieb nicht allein,
es kamen nach Rustow
viele Siedler herein.
Aus Schwaben, aus
Hessen und anderswo her
die
sprachlich Kommunikation war daher oft schwer.
Das
wollte man ändern und sammelte schlau
einen Haufen Geld für
den Schulneubau.
Bürgermeister Dahlhoff
aber hat alles versaut,
der hat dafür in
Loitz 'ne Turnhalle gebaut.
Das nahm man ihm
übel, alle konten es sehn,
so mußte er darauf
den Hut auch bald nehm'.
Der
Krieg dann bald kam, die Jugend mußte los,
die Zeiten wurden
schlecht. Wie überlebt man das bloß?
Dann
waren die Russen bei Zeitlow schon,
Kanonen taten von
dort aus auch Rustow bedrohn.
Auf die Pappel
schnell hoch, die weiße Fahne gewindet,
so hat man noch
zeitig groß Schaden verhindert.
Viele
der Söhne kamen nicht wieder,
die Trauer war groß,drum
gab's lang keine Lieder.
Viel Flüchtlinge
kamen, die waren schlimm dran,
die Arbeit ging
weiter, bald war man sich warm!
Gemeinsam
ging's weiter, man hat viel geschafft,
man hat bald ans
Feiern und den Moscht* gar gedacht.
Das 25er Fest wurd
damals gefeiert, es war wohl ganz toll-
ich war noch nicht
dabei.
Die
DDR-Zeit brachte "neue" Ideen,
aber bald mußte
man in die LPG dann gehn.
Rustow ging auch hier voran und brachte
sie auf Vorderman.
Nur Siedlerfest
feiern, das durfte man nicht,
die Herkunft
verleugnen das wäre ganz recht.
Trotzdem
wurde viel geschafft in der Zeit,
das ging Partei und
Regierung auch wieder zu weit.
Es kam der
"KAP"-Putsch um die 70er dann,
ein gewalt`ger
Kolchos den Großteil verschlang.
Ein
Institut gar wurde nach Rustow getrixt,
für die Rustower wars
gut, doch es half alles nix.
Es ging auf Dauer
nicht gut, das war klar,
drum war '89 die
"Wende" auch da.
Jetzt
hätte man sich „Wiedereinrichten“ können,
doch wer sollt es tun
, die Alten waren fast alle in Rente.
Die Kinder meist
alles andere als Bauern,
die Brüssler Agenda
wird dies kaum bedauern!
Das
Erbe der Landwirte aus Rustow oh ja,
liegt heut '99 bei
der Marktfrucht GmbH.
70
Jahre Siedlung Rustow, so lang das auch klingt -
mal sehn was das neue Jahrtausend uns bringt!
*Moscht war das
Lieblingsgetränk der schwäbischen Siedler, dem aber auch von vielen anderen Rustowern tüchtig
zugesprochen wurde. Der z.Z. letzte Moscht
wurde im Herbst '98 von Axel Dehn, welcher die edle Kunst des "Moschtens" von dem mit derzeit 84 Jahren
amtierenden Seniors der Schwabensippe, Karl Kaiser (Anm.: 1915-2000), gelernt hat!
(Der
Text ist bereits von 1999. Mittlerweile gab es natürlich wieder
neuen Moscht aus dem Jahre 2001 von Axel Dehn und Friedrich
Kaiser hergestellt)
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