Störche

Das Rustower Storchenpaar seit 1929*
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1. Allgemeines:
Der Weißstorch (Ciconia ciconia) gehört zur Ordnung der Schreitvögel und erreicht eine Körpergröße von ca. 1 Meter.
Das Körpergewicht der Männchen beträgt bis zu 4,5 kg und die der Weibchen bis zu 3,5 kg.
Die Beschreibung des Weißstorches erübrigt sich, da er allgemein bekannt ist.
Äußere Geschlechtsunterschiede sind für den Beobachter nicht zu erkennen. Es sei denn, das Storchenpaar steht nebeneinander auf dem Horst und der Größenunterschied ist wahrnehmbar. Der männliche Storch ist im allgemeinen größer und kräftiger.
Bei günstigen Lebensbedingungen kann Meister Adebar bis zu 25 Jahre alt werden.
Die Brutzeit beträgt durchschnittlich 32 Tage. Das Gelege umfasst zwischen 1 bis 6 weiße ungefleckte Eier. In der Regel ziehen beide Partner 2-4 Junge auf, welches abhängig vom Nahrungsangebot und der Witterung  ist.
Das Sozialverhalten des Weißstorches ist dadurch gekennzeichnet, dass die Paarbindung jede Saison neu eingegangen wird. Nur durch die enge Horstbindung der Partner kommt es zu mehrjährigen Verpaarungen der gleichen Vogel.
Durch den Anschluss an den Menschen (Kulturfolger) ist der Storch nicht nur einer der volkstümlichsten Vögel, sondern dazu noch ein nützliches Tier.
Die Nahrung besteht aus Mäusen, Käfern, Grillen, Heuschrecken, Raupen, Larven, Schnecken, Maulwürfen, Fröschen, Eidechsen, Schlangen und Regenwürmern sowie Aas.
Die Aufzuchtsperiode der Jungvögel beträgt ca. 70 Tage.
Der Weißstorch ist ein Zugvogel, der in West- und Südafrika überwintert und zwischen Ende März und Mitte April zurück kehrt. Die Ankunft der Weißstörche in unseren Dörfern wird von vielen mit Freude erwartet.

2. Spezielles über die Rustower Störche:
Das alte Gutsdorf Rustow wurde 1929 aufgesiedelt. Die Gutsanlage um den Anger bestand aus dem Gutshaus, Haus am Anger 4-7 (früher Schafstall), dem Kuhstall (Gehöft Meier), dem ehemaligen Schweinestall (Gehöft Siegle u. Eugen Fischer – heute Vendt) und dem Stall (Gehöft Konrad Reutter – heute Kaiser u. Reinhold Fischer- heute Schwadtke). Der Schweinestall, Kuhstall und der Reuttersche Stall waren mit Rohr gedeckt. Nach Aussage von Frau Kaiser (geb. Reutter) brüteten die Störche bis 1933 auf dem Stall ihres Grundstückes. Nach einem Sturm 1934 wurde das Rohrdach durch ein neues Blechdach ersetzt. Daraufhin zogen die Störche 1934 auf das Rohrdach des Kuhstalles (Gehöft Meier) um. Von 1934 bis 1975  befand sich der Storchenhorst auf dem rechten Giebel des Kuhstalles. Nachdem größere Schäden am Rohrdach durch Sturm und bauliche Mängel am Dachstuhl auftraten, ist das Rohrdach entfernt worden. Das neue Dach wurde mit Weißblech gedeckt. Eine neue Nisthilfe für die Störche wurde nicht gebaut. Die Weißstörche beflogen den alten Horststandort von 1976 bis 1978 regelmäßig und versuchten einen neuen Horst zu bauen. Auf der glatten Oberfläche des Giebels fiel das Nistmaterial immer wieder herunter.

Um 1980 bauten Herr W. Bahr und Herr Watzelhan eine neue Nisthilfe (Holzmast mit Wagenrad) neben dem ehemaligen Feuerwehrschuppen. Diese Nisthilfe wurde nie von den Störchen angenommen und stürzte 1987 um.
1984 errichtete ich auf dem Grundstück meines Vaters T. Ziemann eine Nisthilfe für die Störche. In der Krone einer Esche wurde ein Rad verankert und mit Zweigen ausgelegt.
Diese Nisthilfe wurde von 1985 bis 1993 mit Unterbrechungen durch Einzelstörche und Storchenpaaren beflogen. Es kam zum Horstbau und zu Brutversuchen 1986 bis 1988 und 1993, die durch Storchenkämpfe aufgegeben wurden.

Der Energieversorger edis entfernte 1994 die Oberlandleitungen am Anger. Einer der stehen gebliebenen Betonmasten auf dem Grundstück Meyer bekam ein Wagenrad.
Die neue Nisthilfe wurde von einem Storchenpaar beflogen und zum Rasten und Schlafen genutzt. Eine Brut konnte nicht festgestellt werden. Nach kurzzeitigen Besuchen der Nisthilfe 1995, besetzte 1996 ein Storchenpaar ab 24. Mai die Nisthilfe und begann mit Horstbau bzw. Brut. Zu einer erfolgreichen Brut kam es jedoch nicht.
Groß war die Freude, als die Störche 1997 wieder aus ihrem Winterquartier in Rustow einflogen und sofort mit Horstbau und der Brut begannen. Zwei ausgeflogene Jungvögel nach 22 Jahren waren der Lohn.

3. Statistik zum Storchenhorst Rustow

Jahr

Ankunftszeit

ausgeflogene
Jungvögel

Abflugzeit

1929-33 nicht bekannt nicht bekannt
1934-67 nicht bekannt nicht bekannt
1968 2.Aprildekade 4 1. Septemberdek.
1969-72 nicht bekannt nicht bekannt
1973 2.Aprildekade 0 2. Augustdekade
1974 2.Aprildekade 0 2. Augustdekade
1975-84 nicht besetzt
1985 Einzelstorch
1986 21.04./22.04 0 24.08.
1987 08.05./08.05. 0 21.08.
1988 15.04./15.04. 0 22.08.
1989 nicht besetzt
1990 nicht besetzt
1991 nicht besetzt
1992 nicht besetzt
1993 07.05./07.05. 0 1. Augustdekade
1994 10.04./25.04 0 26.8.
1995 11.05./11.05. 0 3. Julidekade
1996 24.05./24.05. 0 2. Augustdekade
1997 30.04./02.05. 2 1. Septemberdek.
1998 14.04./15.04. 2 1. Septemberdek.
1999 30.03./01.04. 0 3. Augustdekade
2000 02.04./06.04. 4 3. Augustdekade
2001 04.04./06.04. 3 3. Augustdekade
2002 01.04./04.05. 1 29.08.
2003 04.04./21.04. 3 3. Augustdekade

Friedhelm Ziemann Friedhelm.Ziemann@lkdemmin.de Tutow, im Januar 2004
*Wir danken Herrn Ziemann freundlichst für die Bereitstellung dieses Artikels.

Ab 2004 wird die Liste in Eigenregie ergänzt!
(Herr Ziemann steht sachkundig weiter zur Verfügung.)

Jahr

Ankunft

Jung-
vögel

Bemerkungen

Abflug

2004 31.03./
15.04.
3 einer / tödlich verunglückt**
zwei / (Am selben Strommast!)
28.08.
2005 07.04./
09.04.
3 3. August-dekade
2006 15.04./
21.04.
0 Nachdem der weibliche Altstorch am 13.05. in der E-Leitung tödlich verunglückte, wurde diese im Herbst des Jahres entfernt. Am 16.05. verpaarte sich der männliche Altstorch neu, aber das alte Gelege mit 3 Eiern wurde durch die neue Störchin entfernt. Es erfolgte allerdings, wohl wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit, keine neue Brut mehr.
Die geplanten Schutzmaßnahmen ** kamen leider zu Spät!
 20.08.:cry:
**Das zuständige Energieunternehmen will im Frühjahr 2006 weitere Änderungen vornehmen, damit die Jungvögel besser
geschützt sind!
2007 30.03./
08.04.
3 Drei Jungstörche wurden aufgezogen.
Das ist doch erfreulich!
16.08. Jungvögel
19.08. Altvögel
2008 23.03./
21.04.
3 Wieder sind drei Jungstörche im Nest.
Auch in diesem Jahr wurden alle drei groß und konnten gen Süden starten. Die durchgeführten Maßnahmen haben also geholfen.
Bild 1 Bild 2 Bild 3
16.08. Jungvögel
19.08. Altvögel
2009 04.04./
09.04.
4 Die Storchendaten 2009 (Mail v. F. Ziemann): „Anfang März habe ich mit Herrn Meyer eine neue Nistunterlage (verzinktes Rad mit neuem Nistkorb) aufgebaut.
Die alte Unterlage drohte abzustürzen.“
19.08. Jungvögel
24.08. Altvögel
2010 26.03.(w)/
01.04.(m)
0 Das Männchen war mit ELSA- Ring DEH H4392 am rechten Bein beringt. Er wurde am 2. Juli 2006 nestjung in Soltow- Friedrichsmühle (Landkreis Ludwigslust – ca. 167 km von Rustow) beringt.    unbekannt
2011 14.04.(m)/
15.04.(w)
0 Das Männchen mit gleicher Beringung.
Auch 2011 konnte keine erfolgreiche Brut festgestellt werden. Ursache nicht bekannt.
Ggf. ist das Paar noch zu jung.
unbekannt
Leider erfolgte in beiden Jahren keine erfolgreiche Jungvogelaufzucht.  😥
2012  05.04.
(m+w)
 0 Das Männchen hat eine Beringung.
Seit 2010 also der Gleiche, mit Hiddensee-Ring DEH H4392 .
Der scheint nicht Zeugungsfähig zu sein, da auch 2012 keine erfolgreiche Brut zu vermelden ist.
 20.08.2012
 2013  28.03./
16.04.
      0 Mail von Friedhelm Ziemann:
Nach Auskunft von Herrn Meyer war der erste Altstorch schon am 28. März eingetroffen. Dieses Männchen habe ich mir am 10. April angesehen, um zu kontrollieren, ob er beringt ist. Dieser Altstorch war nicht beringt. Der Ringstorch H 4392 hatte den Horst 2009 bis 2012 besetzt, aber kein Jahr eine erfolgreiche Brut getätigt. Der weibliche Altstorch traf dann am 16. April am Horst ein. Bei einer Horstkontrolle am 12. Juni musste ich mit „Erschrecken“ feststellen, dass der Ringstorch H 4392 wieder anwesend war. Eine erfolgreiche Brut konnte wieder nicht festgestellt werden (4. Jahr). Also hat im April eine Umverpaarung statt gefunden. Der Altinhaber (Ringstorch) des Horstes hat den anderen männlichen Altstorch vertrieben. Ich bin mir  jetzt fast sicher , dass der Ringstorch unfruchtbar/zeugungsunfähig ist. Er ist im besten Storchenalter (7 Jahre alt).
 18.08.2013
 2014  28.03./
29.03.
 Ringstorch H 4392 wieder anwesend, keine erfolgreiche Brut.  15.08.2014
2015 09.04./
15.04.
2 Nach fünf Jahren ohne Nachwuchs sind dieses Jahr zwei Jungstörche ausgeflogen. 🙂    Das beringte Männchen
(H 4392), welches  den Horst von 2010 bis 2014 besetzt hatte, tauchte dieses Jahr nicht am Horst auf.
ca.
25.08.2015
2016 Auch die 16er Störche sind bereits da! 😉
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Ende

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